Eine Hörerin-Frage zum Thema Wahl der Schule 

Du erfährst:

  • wie wir entschieden haben, auf welche Schule wir unsere Tochter einschulen, 
  • warum wir uns für eine Freie Aktive Schule nach Montessori entschieden haben
  • und was die Wahl der Schule mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun hat. 
#108 Warum unsere Tochter auf eine Freie Schule geht

Heute beantworte ich eine Frage einer Hörerin. Ihre Frage lautet: “Ich habe aus deinem Podcast mitbekommen, dass ihr euch für die Montessori-Schule entschieden habt. Könntest du vielleicht in einer deiner Podcastfolgen mal darauf eingehen, warum ihr euch für Montessori entschieden habt, wie so eure Erfahrungen sind und für wen, aus deiner Sicht, eine Montessori-Schule geeignet ist oder für wen eventuell auch nicht.” 

 

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Warum wir uns für eine freie Schule entschieden haben

Die wahre Antwort ist, dass wir uns gar nicht für eine Montessori-Schule entschieden haben. Sondern wir haben uns gegen eine Regelschule entschieden. Ich selbst beschäftige mich allein durch meinen Beruf im Training, Coaching und Beratung damit, wie der Mensch lernt. Die Idee, dass jemand anderes mir sagt, wann ich was wie zu lernen habe, finde ich absurd. Der Ansatz, dass wir unsere Kinder 13 Jahre zu Schule schicken und ein Ministerium entscheidet, welches Wissen meine Kinder erlernen sollen, gefällt mir nicht.

Beruflich beschäftige ich mich mit agilen Arbeitsmethoden, Organisationsentwicklung und New Work. Das was Schule heute lehrt, kann dort so gut wie nicht gebraucht werden. Unsere Arbeitswelt wird immer komplexer. Wir müssen kontinuierlich lernen. Wir müssen erlernen, wie ich selbst gut lernen kann. Wir brauchen Menschen, die wissen, wer sie sind und eine Idee davon haben wohin sie wollen. Wir brauchen Menschen, mit sozialen Kompetenzen. Die gut in Teams arbeiten können. Wissenslernen ist aus meiner Sicht veraltet. Aktuell praktizieren wir Erfahrungslernen – Best Practice. Wir vermitteln Wissen, was uns geholfen hat oder wir glauben, uns hätte in der Vergangenheit helfen können. 

Aber wie bereiten wir Menschen auf Jobs vor, die wir noch nicht kennen? Wie auf neue Technologien, die jetzt noch nicht existieren? Um Probleme zu lösen, von denen wir heute nicht wissen, wie sie entstehen? (nach YouTube 2015, Shift happens)

Auch prägen mich die Hinrforschung von Gerald Hüther. Der u.a. sagt, der Mensch braucht Verbundenheit und Wachstum. Lernen ohne sich wohl zu fühlen ist nicht möglich. D.h. für mich im Umkehrschluss, dass Druck im Schulsystem kontraproduktiv ist.  

Hinzu kommt das Schule natürlich auch meinen Mann und mich geprägt hat. Wir dort unsere eigenen Erfahrungen gemacht haben. Ich persönlich bin irgendwie durch die Schule durchgekommen. Ich war nie die Beste. Musste mir oft einigermaßen gute Noten hart erarbeiten. Was ich daraus geschlussfolgert habe ist: Ich bin mittelmäßig. Mit ganz viel Aufwand und viel Bemühungen kann auch ich es schaffen, Abitur zu machen. Meine Stärken habe ich in meiner Schulzeit in den ersten 10 Jahren nicht erkannt. Wie ich selbst gut lernen kann, auch nicht. Wie ich rausfinde, was ich beruflich kann und machen möchte, fand ich auch nicht heraus. Ich lernte, um in die nächste Klasse zu kommen. Ich habe Durchhalten gelernt. Habe die Inhalte der Schule als Pflicht gesehen. Spaß hat mir Schule gemacht, weil ich dort mit anderen SchülerInnen verbunden war. Weil wir auf dem Schulhof gespielt haben oder gute Gespräche geführt haben. Mitgenommen habe ich auch viel von einzelnen LehrerInnen. Die, zu denen ich eine Bindung hatte. Die aber nie lange hielt. Weil es einen LehrerInnen Wechsel gab, alle ein bis zwei Jahre.

Auch sehe ich das Bewerten bzw. das Notenvergeben als ein Problem. Schulnoten sind da, um zu bewerten und zu vergleichen. Daniel Pink beschreibt in seinem Buch “Drive” ein Experiment. Kinder wurden aufgefordert ein Bild zu malen. Einige davon wurde dafür eine Urkunde versprochen. Den anderen nicht. Als die Kinder später erneut zeichnen sollten und keiner Gruppe eine Belohnung versprochen wurde, verloren diejenigen, die zuvor eine Urkunde bekommen hatten, die Lust. Die anderen malten weiter. Die vorherige Belohnung hatte ihre intrinsische Motivation zerstört. Schulnoten dienen als extrinische Reize. Sie sollen Kinder zu Leistungen bringen. Doch kenne ich niemanden, der durch eine Schulnote fünf oder sechs motiviert wurde bessere Leistungen zu bringen. Ich habe es aber oft schon beobachtet, wie durch solche Benotungen das Selbstwertgefühl und der Glaube an sich selbst sank.  

In der 11. Klasse ging ich ein Jahr nach Amerika. Als Austauschschülerin. Hier erlernte ich völlig neue Skills. Das Jahr prägte mich. Danach wechselte ich auf eine private Schule. Und hatte so die letzten drei Schuljahre die beste Zeit, meiner Schulkarriere. Sowohl was das Lernen als auch die soziale Kompetenzentwicklung betrifft. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass wir das Einschulen in das Regelschulsystem überdacht haben.

 

Freie Schule nach Montessori
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Wie die Entscheidung auf eine Montessori-Schule fiel

Wir haben uns zwei Jahre vor der Einschulung informiert. Welche Schulen gibt es im Umkreis von 50km. Wir schauten uns verschiedene Schulen an. Setzten uns mit den Schul-Konzepten auseinander. Rechneten die Finanzen durch. Durchdachten die Fahrzeiten und die möglichen Busverbindungen. Auch sprachen wir mit den Erzieherinnen im Kindergarten. Uns war wichtig zu überprüfen: welches Schulsystem könnte für unsere Tochter passen. Nach

  • unzähligen Infoabenden,
  • Gesprächen mit Eltern, die ihr Kind auf der Schule haben
  • Hospitationen und
  • Gesprächen mit Schülern, von den einzelnen Schulen, die inzwischen ins Berufsleben eingetreten sind

haben wir uns für eine freie aktive Schule nach Montessori Konzept entschieden. Wir können dem Grundgedanke “Hilfe, zur Selbsthilfe” viel abgewinnen. Uns gefällt der Fokus auf das individuelle Lernen – in den Inhalten und in Bezug auf das Tempo. Wir finden das Konzept alternativ genug und dennoch nicht zu Weltfremd. Am Ende ist es allerdings genau diese Schule geworden, wegen der Menschen, die dort arbeiten. Das Gefühl, als wir uns die Schule anschauten. Die Begeisterung nach dem Infoabend. Das offene Zugehen unserer Tochter beim ersten Hospitationstermin. Die Persönlichkeiten der Schulleiterin und der Lernbegleiterinnen. Es war und ist das Gefühl: das passt.  

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Wie unsere Erfahrungen sind

Nach einen 3/4 Jahr Schule sind wir zufrieden. Der Schuleinstieg war für uns nicht einfach. Hier auf den Hintergrund einzugehen, ist mir zu privat. Die Schwierigkeit des Schuleinstiegs hat nichts mit der alternativen Schule zu tun. Wir haben es eher als Vorteil angesehen, dass individuell auf unsere Tochter und auf uns als Familie eingehen konnte. Unsere Erfahrung ist, dass es sehr kreative und vielfältige Angebote gibt. Was die Lernformate und die Inhalte angeht. Es existiert eine sehr diverse Elternschaft. Es ist Mitarbeit erforderlich. Letztendlich ist nicht nur unsere Tochter Teil der Schule geworden, sondern wir als Familie. Die Art des Lernens hat Auswirkung auf unser Familienleben. Unsere Tochter entwickelt sich dort sehr frei – was uns gut gefällt. Gleichzeitig lernt sie ähnliche Dinge, wie auf der Regelschule. In einer anderen Reihenfolge. In einem anderem Tempo. Auf eine andere Art und Weise. Für uns als Familie ist das Fahren eine Belastung. Aktuell fährt ein Elternteil von uns das eine Kind in die eine Himmelsrichtung. Und der andere Elternteil das andere Kind in die entgegengesetzte Himmelsrichtung. Das Fahren frisst viel Zeit. Unsere Tochter schließt Freundschaften mit Kindern, die nochmal weiter weg wohnen. “Mal eben” mit einer Freundin spielen ist selten möglich. Es bedingt immer eine Planung. Meist nehmen wir das Spielbesuchskind direkt aus der Schule nimmt. Oder unsere Tochter geht mit der anderen Familie mit. Wir holen sie dann abends ab. Die Meinungen anderer Menschen ist nicht zu unterschätzen. Bekannte, Verwandte, Kollegen, etc. beurteilen unsere Entscheidung. Wir wurden sowohl entsetzt gefragt, warum wir das tun. Als auch interessiert angefragt, was das denn für eine Schule sei. Auf jeden Fall ist es Gesprächsthema und fällt auf. Das spüren auch unsere Kinder. Auch wird viel verglichen. Die häufigste Fragen, die mir gestellt wird, lautet: “Kann sie denn jetzt schon lesen?” oder “Was macht ihr denn, wenn sie nie Lust auf Mathe hat? Irgendwann muss sie das doch lernen.” Bisher lernt unsere Tochter lesen, schreiben und rechnen. Und noch vieles mehr. Wir haben keine Ängste, dass sie zu wenig lernt. Ich glaube viel mehr, dass sie wesentliches lernt, was sie später im Beruf sehr viel weiter bringen wird.   

Freie Schule nach Montessori
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Für wen - aus meiner Sicht - eine Montessori-Schule geeignet ist

Ich sehe mich nicht als Montessori Expertin. Und finde es schwer, darauf zu antworten. Ich kann hier nur empfehlen sich möglichst viele verschiedene Schulen anzuschauen. Das Konzept sollte einen zusagen. Das Kind sollte damit etwas anfangen können. Und das wichtigste sind aber aus meiner Sicht die Menschen, die das eigene Kind begleiten. Das Konzept ist zweitrangig. Wichtig ist, dass ich als Elternteil davon überzeugt bin, dass dieser Mensch unser Kind unterstützen kann. Montessori hat den Ansatz, dass das Kind im Mittelpunkt steht. Das Kind wird als Individuum betrachtet. Selbstvertrauen stärken und die Selbstständigkeit zu fördern sind wesentliche Elemente. Das Lernen im eigenen Rhythmus ist ein weiterer Kernpunkt. Das Lernangebot ist so aufbereitet, dass das Kind seinem natürlichen Lerndrang folgen kann.  Eine Kritik die wir häufig hören lautet: “Wenn Kinder nur lernen, wozu sie Lust haben, lernen sie dann überhaupt alles wichtige?” An unserer Schule kann ich sagen: “Ja!”. Denn die Kinder lernen. Chillen und nichts tun, ist keine Option. Sie tun dort Dinge. Auch wird darauf geachtet, dass Grundlegendes vermittelt wird. Auch die freien Schulen halten sich an die gesetzlichen Lernvorgaben. Eine klare Empfehlung für welchen Typ eine Montessori-Schule passend ist und für wen nicht, mag ich nicht aussprechen. Ich glaube nicht, dass ich das beurteilen kann. Was ich aber empfehle ist: ausprobieren. Mit dem Kind die Schule besuchen. Das Kind aktiv am Geschehen dort teilhaben lassen. Alles an Kontakt annehmen. D.h. zum Sommerfest gehen, den Infoabend besuchen, mehrmals im Schulalltag mitlaufen. Dann wirst du sehen, ob die Schule zu deinem Kind passt.   

Am Ende gebe ich allen LerserInnen / HörerInnen mit: schau, welche Schule zu deinem Kind passt. Und erwarte nicht, dass dein Kind sich der Schule anpasst. Dein Kind ist, wie es ist. Eine Schule sollte – aus meiner Sicht – die Stärken des Kindes stärken. Und sollte das Kind darin unterstützen rauszufinden, wie es am besten selbst lernt. Denn das ist das, was die Kinder wirklich auf das (Berufs)leben vorbereitet.

Dieser Artikel ist ein Ausschnitt der Podcast Episode. Höre dir die Folge an, um weitere Ausführungen und Informationen zu bekommen. 

 

Links

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Episode #100

Informationen zum Montessori Konzept findest du zum Beispiel unter http://www.montessori.de/

 

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